Die malerische Umsetzung von Fotografien und inneren Bildern im Werk Eva Schwabs gleicht einen Transformationsprozess, bei dem die Fragen nach dem Woher und Wohin im Vordergrund stehen. Die Rekonstruktion der Vergangenheit lässt längst Vergessenes an die Oberfläche treten und evoziert Fragen: Warum berührt mich das Foto? Was sind das für Bilder in mir, die infolge dessen entstehen? Was passiert und welche Bedeutung hat es für die Gegenwart? Die Wahrnehmung wird zum Auslöser, Unbewusstes in das Bewusstsein fließen zu lassen. Bilder, Gefühle und Erkenntnisse entstehen durch Introspektion der Psyche. Im künstlerischen Schaffensprozess stellt sich für Eva Schwab gleichzeitig auch die Frage nach der Authentizität von Erinnerungen: Bedeutet das Foto die Erinnerung an einen bestimmten Augenblick, habe ich ihn wirklich so erlebt oder sind die Bilder der Vergangenheit Erinnerung geworden.
Das ausgewählte Motiv wird zum Auslöser eines inneren Diskurses, bei dem eine eigene Sicht auf Ereignisse hinzugefügt und Schwerpunkte durch die Künstlerin gesetzt werden. Die Konfrontation mit "Wiedergängern", wie Eva Schwab die Wiederbegegnung mit Menschen bezeichnet, die die selbst erlebte Geschichte in ähnlicher Weise mit sich tragen, entwickelt sich, neben den Fotografien in verstärktem Maße zu einem selbständigen Sujet in ihren Arbeiten. Gerade in den neueren Papierarbeiten nimmt in Folge dessen die Nähe zur Fotovorlage ab. Die Bilder erlangen einen größeren Freiheitsgrad, bedeuten eine malerische Weiterentwicklung. Neu ist der sich erweiternde Spielraum und die Öffnung für Surreales, Fantastisches und Unterbewusstes. Die gleichzeitige Direktheit in Bezug auf die Auseinandersetzung mit dem gewählten Fotomotiv geht dabei nicht verloren.

Eva Schwab stellt die Frage nach der Authentizität des Wahrgenommen nicht nur an sich selbst, sondern auch an den Betrachter. Schatten als bildnerische Elemente sind als Hinweis zu verstehen, wohin die Suche gerichtet ist, die Wirklichkeitssuche und das Ausfindig machen des Menschen an sich. Es geht der Künstlerin um die eigene Biografie, jedoch beispielhaft, um Biografien anderer auf die Spur zu kommen, im Verständnis eines kollektiven Gedächtnisses, eines Erinnerungsfundus. Eva Schwabs Bilder werden zum Zeugnis unterschiedlicher Generationen, entwickeln sich thematisch aus dem persönlichen Anliegen ins Universelle. Die gebürtige Frankfurterin studierte in Düsseldorf bei Markus Lüpertz, lebt und arbeitet heute in Berlin.  

Textauszug:  Jutta Meyer zu Riemsloh - Wiedergänge

Das Versprechen, Öl / Wachs auf Nessel 30x36cm, 2013